Das Konzept der Gewaltlosigkeit wurde oft an den Rand gedrängt, weil es eine der seltenen wahrhaft revolutionären Ideen ist, eine Idee, die danach strebt, die Beschaffenheit der Gesellschaft vollkommen zu verändern, eine Bedrohung der etablierten Ordnung. Und sie wurde immer als etwas hochgradig Gefährliches behandelt.

Mark kurlansky1

“Viele Leute sagen, dass es unrealistisch ist, für Gewaltlosigkeit zu argumentieren, aber vielleicht sind sie zu verliebt in die Realität.

Wenn ich sie frage, ob sie in einer Welt leben wollen, in der niemand für Gewaltlosigkeit plädiert, in der sich niemand für diese Möglichkeit einsetzt, sagen sie immer nein.”

JUDITH BUTLER2

Wenn es aber einen Wirklichkeitssinn gibt, … dann muss es auch etwas geben, das man Möglichkeitssinn nennen kann.

So ließe sich der Möglichkeitssinn geradezu als die Fähigkeit definieren, alles, was ebenso gut sein könnte, zu denken, und das was ist, nicht wichtiger zu nehmen, als das, was nicht ist.”

Robert Musil3

“Gewaltlosigkeit ist weder ein Mittel zum Zweck, noch ein Ziel an sich. Es ist vielmehr eine Technik, die sowohl die instrumentelle Logik als auch jedes teleologische Entwicklungsschema übertrifft – es ist eine unberechenbare Technik, die wohl nicht regulierbar ist.”

judith butler4

Dass Menschen das Potenzial haben, gewaltlos zu sein […] impliziert ein viel höheres Verständnis des Menschen als jenes, das uns von den Massenmedien und durch die zeitgenössische Kultur präsentiert wird. Aber genau wegen dieser Kultur können wir nicht einfach erwarten, dass sich unser gewaltloses Potenzial von selbst manifestiert.

Um es zur Geltung zu bringen, müssen wir erst versuchen, es besser zu verstehen und die Gewohnheit entwickeln, es kreativ in unsere Beziehungen, unsere Institutionen und unsere Kultur einzubringen.”

Michael Nagler5

Wir leben in einer Welt von ‘sich-überschneidenden Schicksalen’, wo die Verhängnisse von Kulturen stark miteinander verflochten sind. Es ist nicht mehr länger eine Welt der geschlossenen Gesellschaften, wo tyrannische Ordnungen oder religiöse Traditionen die einzigen Schichten historischer Legitimität bilden. Nie zuvor in der Geschichte der Menschheit war Gewaltlosigkeit so entscheidend.

Gewaltlosigkeit hat sich in letzter Zeit von einer einfachen Taktik des Widerstandes zu einer kosmopolitischen Zielsetzung entwickelt, die auf internationaler Anwendung von Prinzipien der Demokratie beruht.

ramin Jahanbegloo6

Kulturelle Reinheit ist ein Widerspruch in sich.”

Kwame Anthony Appiah7

Abtrennung und Abschließung waren in unserer ständig umherziehenden Spezies schon immer etwas Anomales. Nicht der Kosmopolitismus ist harte Arbeit, sondern dessen Widerlegung.”

Kwame Anthony Appiah8

Kosmopolitismus ist nicht bloß – oder vielleicht überhaupt nicht – eine Idee. Kosmopolitismus bezeichnet unendliche Weisen des Seins.”

Carol B. Brechenridge9

Der Kosmopolitismus als ein positives Ideal gedacht, sei dies nun formal oder materiell, erzeugt Antinomien, die seine innere Kohärenz untergraben […] wird er jedoch als kritisches Ideal gedacht, verschwinden diese Schwierigkeiten weitgehend. Die daraus hervorgehende Konzeption von Kosmopolitismus [ist] ein negatives Ideal, das auf die Blockierung einer falschen Totalität abzielt.”

Seyla Benhabib 10

Immer, wenn eine religiöse oder theologische Unstimmigkeit zur Quelle eines Konfliktes wird, ist dieser Konflikt potentiell kosmopolitisch. Zeitgenössischer Kosmopolitismus ist eine besonders doppelbödige Form der Politik; sie besteht ausschließlich aus Konflikten zwischen Universalien, ohne vorgefertigte Lösungen.”

Etienne Balibar11

Transdisziplinäre Erkenntnis im kosmopolitischen Sinn ist eher ein Prozess der Übersetzung zwischen Kulturen als ein transzendentales Wissen darüber, was – in irgendeinem gemeinsamen Streben nach Universalität der menschlichen Erfahrung – über diesen Unterschieden steht.

Carol B. Brechenridge12

Der kosmopolitische Impuls, der unser gemeinsames Mensch-sein vorantreibt, ist kein Luxus mehr. Er ist zur Notwendigkeit geworden.”

Kwame Anthony Appiah13